Mittwoch, 3. Oktober 2012

BerlinVokal in New York City - Tag 2

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Die erste Hotel-Nacht in New York absolviert. - Heute versucht jeder erst mal diese Stadt auf seine Weise einzuatmen. Die "alten" New-York-Hasen wissen schon: Der Blick wird immer wieder nach oben gehen; ganz nach oben. Dorthin wo selbst meine Panorama-App sich verweigert. 




Der Nebel war vermutlich vorbestellt, damit der Schock nicht gleich so groß ist und wir uns langsam auf diese Wolkenkratzer einstellen können.

Trotzdem behaupten sich zwischen diesen Wahnsinnsgebäuden immer wieder auch normalere Häuser mit 2 oder 4 Stockwerken, als wollten sie demonstrieren, dass es durchaus noch etwas anderes gibt als hoch hinaus.


Da uns Regen und Nebel nicht gerade verlocken vom Empire State Building oder Rockefeller Center den Blick von oben auf die Häusermonster zu riskieren, haben wir uns für einen Spaziergang durch den Central Park mit Ziel Guggenheim-Museum entschieden. Ich könnte mir vorstellen, dass der Rest der Truppe ähnliche Aktivitäten geplant hat. Erst mal ankommen, schauen wohin spontan der Weg führt und wirken lassen. 

Die grüne Oase des Central Parks inmitten dieser pulsierenden und schnellen Stadt führt uns an Parkbänken mit Menschen in der Mittagspause, Studenten die in Laptops klappern, musizierende, malende oder Kunststückchen darbietenden Künstlern vorbei. Unübersehbar sind die Nannys, die sich um die Kinder der vielbeschäftigten New Yorker kümmern; auffällig die Spielplätze mit viel zu viel Beton und zu wenig Sandkästen. Werden hier die heranwachsenden kleinen "Broker" auf die glatte, kalte Welt vorbereitet? 


Wie auch immer: Die Menschen hier machen es bunt, skurril und die "message" ist sichtbar wie eine der unzähligen Leuchtreklamen: in dieser Stadt ist alles möglich. 

Die Wartezeit vor dem Museum verkürzt uns ein Sänger mit Jazz-Standards, kein ungewöhnlicher Anblick in New York. So schnell und laut es hier auch sein mag, musikalische Klänge fügen sich hier anscheinend genauso ein, wie Starbucks-Becher und iPhone der New Yorker auf ihrem täglichen Weg.
mein iPhone hat das Ende des Gebäudes
leider nicht erreichen können!! 







Nach der interessanten Wanderung durch das Guggenheim-Museum schlagen wir nun doch noch den Bogen zum Rockefeller Center, dessen Anblick wieder diese typische "New-York-Touristen-Geste" auslöst: Blick an einer nicht enden wollenden Häuserfassade nach oben. Der Kopf muss hier wirklich sehr weit in den Nacken gelegt werden, um das Ende der Fassade zu sehen.

Fast wäre mir beim Schreiben der ersten Eindrücke in dieser Stadt noch der eigentliche Grund unseres Hierseins abhanden gekommen. Wir wollen doch als BerlinVokal in dieser Metropole erklingen!! 


17.00 Uhr - erste Probe in der St. Peters Church

Vor lauter Staunen und Schauen haben wir uns nun auch noch verlaufen und sind so spät dran, dass wir das erste Mal einen der berühmten "yellow cabs" heranwinken müssen, die das Stadtbild in ganz besonderer Weise prägen. Mitunter scheint es überhaupt nur diese "Gelben" zu geben, die die Straßen dann in ein glänzend gelbes "Blechfeld" verwandeln. Allerdings müssen wir bei unserer ersten Fahrt schon mal feststellen, dass "yellow cab" und "fahren" nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben. "Drive short - wait long" wäre treffender und macht uns klar, dass man zu Fuß unter Umständen besser dran ist, wenn man einen Termin pünktlich einhalten möchte!! 

Aber schließlich ist es geschafft: St. Peters Church. Welch ein Schnitt!! Man tritt in diese Kirche ein wie in eine andere Welt. Hektik wird zu Beschaulichkeit; Lärm zu Ruhe; das gequirlte Leben draußen verwandelt sich in geruhsames Sein. Und welch ein wunderbarer Klang als wir die ersten Töne in den Raum senden. Wir proben "Find the gap" mit unserem "geleasten" Beatboxer, der sich an Benjamins Platz gestellt und sich hervorragend "durchgeboxt" hat. 


Das war an diesem Tag allerdings nicht der einzige Schritt von einer Welt in die andere: 

Jazzclub "Showmans" in Harlem, Auftritt 21.30 Uhr 

Eine großartige Jazz-Band empfängt uns mit den typischen, mitunter etwas schrägen Jazzklängen dieses Stadtteils und es lässt sich nicht so ohne weiteres einschätzen, wie das Harlemer Stammpublikum des "Showmans" auf unseren dort eher ungewohnten Sound reagieren wird.

Ein etwas komisches Gefühl, dann als BerlinVokal auf dieser ca. 6 qm großen Bühne zu stehen und die Titel "Viva la Vida", How deep is your love", It don´t mean a thing" zu "performen" (wie man das ja heute so schön sagt). Mit dem "City Summer Sound" haben wir das Publikum mit in den Wunsch eingebunden, sich ein wenig verzaubern zu lassen.

Letztlich fühlte es sich dann ja doch erstaunlich gut an und selbst unser letzter Titel, der von weiten Tälern und Höhen aus deutschen Landen erzählt, war publikumstauglich.
BerlinVokal im Jazzclub Showsmans


Ein langer Tag, der erste Tag. Einfach großartig! Und wie sonst könnte dieser Abend in New York angemessener ausklingen, als mit zwei wunderbaren Percussionisten auf dem Bahnsteig der Subway!


Autorin: Elvira

Kommentare:

  1. Liebe Elvi, vielen Dank für deinen Tagebucheintrag. Wie schön, dass auch ich als Daheimgebliebener auf diese Weise an eueren rauschhaften Erlebnissen teilnehmen kann. Ich bin schon ganz gespannt auf weitere Einträge.
    LG
    Daniel

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  2. Ach ja ... Showmans ... ich schwelge in Erinnerungen ...

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